
UMS’nJIP Weekend
SANCHO (Cervantes)
KAFKA Liederabend
Freitag, 02. Oktober, 20 Uhr
Samstag, 03. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 04. Oktober, 17 Uhr
Nach den Konzerten von „Woyzeck“ und „A Christmas Carol“ kommt das Schweizer Duo UMS’nJIP zurück ins Rabbit Hole Theater!
Diesmal zeigen Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen ihre Electropop-Opera „Sancho“ (Cervantes) und den Liederabend „Kafka. Literatur trifft Komposition“. UMS’nJIPS Arbeiten sind am ehesten dem instrumentalen Theater und dem konzeptuellen Musiktheater zuzuordnen und spielen virtuos und nicht ohne Ironie mit Ästhetiken zwischen Experimentalmusik und Gesang, Video-Art und Electropop – ein unkonventionelles Taschenformat, das künstlerisches High-Tech-Labor und maximale Agilität vereinigt. Erlebt eine experimentelle, teils herausfordernde, dann wieder poppige bis meditative musikalisch-literarische Reise in unverkennbarer UMS’nJIP-Charakteristik.
SANCHO (Cervantes)
Electropop Opera
02.10., 20 Uhr / 04.10., 17 Uhr


DON QUIXOTE ALS KOPFKINO. Kafkas Kurzprosa ‚Die Wahrheit über Sancho Pansa‘ ist einer der Schlüssel dieses Musiktheaterabends: eine ironische Umdeutung der beiden Hauptpersonen aus dem bekannten Roman Don Quixote von Miguel de Cervantes aus dem Jahr 1605/1615: Geht es nach Kafka, so gelingt es Sancho Pansa, mit Hilfe von Ritterromanen seinen eigenen Teufel – er gibt ihm den Namen Don Quixote – von sich abzulenken und ihn die verrücktesten Taten aufführen zu lassen, die aber niemandem schaden. Sancho Pansa folgt ihm dabei gleichmütig auf seinen Zügen und hat dabei bis zum Ende große Unterhaltung. Sancho Pansa wird somit zum Spiritus rector der Geschichte, der in UMS’nJIPs Musiktheater, allseits begleitet von einer wortkargen Teresa Pansa, nun im Wohnzimmer (inter-)agiert.
BESCHEIDENHEIT ALS TUGEND. Die Faszination für Sancho liegt auch in seiner Menschlichkeit – und in seinen sich entwickelnden Antworten auf die Fragen zwischen Sein und Haben. Indem er zwar der Versuchung, Statthalter zu werden, nachgibt und dafür auch seine Familie verlässt, später aber zugunsten eines bescheidenen Lebens wieder abdankt und zurückkehrt, mit etwas Geld, das durch seinen „Fleiß und ohne jemandes Schaden (!) erworben“ legt er auch ein Statement ab, das Begriffen wie unbedingter Wirtschafts- und Wohlstandssteigerung schlicht Genügsamkeit entgegensetzt: notabene zugunsten einer seelischen Ausgeglichenheit, persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit.
SANCHO
electropop opera by UMS’nJIP, 2019
based on the novel El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha (1605)
by Miguel de Cervantes and texts by Franz Kafka
Spanish with English, French and German subtitles
MITWIRKENDE
Text: Miguel de Cervantes
Libretto: JIP, nach einer Idee von Javier Walpen
Musik: UMS’nJIP, Shintaro Imai
Regie: Wolfgang Beuschel
Sancho, Herzog, Gandalin, Arbeiter, Schneider, Merlin, Sprecher: JIP
Teresa Panza: UMS
KAFKA
Liederabend
03.10., 20 Uhr


JIP ad kafka:
Meine erste Begegnung mit Kafka war – als Schullektüre – Die Verwandlung – die Reaktion: Verwirrung und Faszination zugleich. Später kamen die gesammelten Erzählungen dazu, und seitdem haben mich Kafkas Texte nicht mehr losgelassen. Wichtige Werke verschiedener Komponisten, deren Uraufführungen mir anvertraut wurden, setzten sich mit Kafka auseinander: Beat Gysins Marienglas etwa mit Das Schloss, oder Thorsten Töpps à rien mit Kafkas letztem Tagebucheintrag. Kafka ist im Übrigen auch der Autor, den ich als erstes vertont habe, und somit derjenige, der mich kompositorisch am längsten begleitet. Kafkas Präzision, Beobachtungsgabe, Differenzierung und Multiperspektivität setzen für mich Massstäbe, und von seiner merk- wie denkwürdigen Poesie lasse ich mich auch heute noch verzaubern.
So sind in diesem Zyklus sechs meiner Lieblingserzählungen zu einem durchkomponierten Werk zusammengefasst.
1. Zerstreutes Hinausschaun
2. Nachts
3. Ich bin zurückgekehrt
4. Wunsch, Indianer zu werden
5. Das nächste Dorf
6. aus: Der Hungerkünstler
Die Erzählungen sind bis auf die 3. Ich bin zurückgekehrt und 6. Der Hüngerkünstler, äusserst kurz, meist nur wenige Zeilen lang. Der Hungerkünstler ist textlich gestrafft. Bemerkenswert ist dessen Schluss; im Käfig, in welchem der Hungerkünstler vergessen verendet, wird später ein Panther eingesperrt. Dies als Verweis auf Rilkes Panther zu lesen ist naheliegend. Kafka kannte Rilkes Schaffen, zudem sind beide im deutschsprachigen Milieu Prags gross geworden. Und so rundet Rilkes Panther – leise geflüstert – als Epilog diesen Reigen an Kafka-Erzählungen ab.
Kafka ist über mehrere Jahre als Baukasten für Stimme, Blockflöte, Zuspielband (und wahlweise auch kleines Instrumentalensemble – Fl, Cl, Vle, Vc) bis auf abendfüllende Größe entstanden. Das Zuspielband ist konstant präsent und etabliert zugleich den Raum, in welchem Klangereignisse – live und ab Band – geschehen. Diese verhalten sich wie Objekte, deren Präsenz im Raum sich erst über die Zeit erschließen zu lassen scheinen. Diese Objekte sind leise, einzelne Klangcluster (für die Vertikale) oder Melodielinien (für die Horizontale), sich entwickelnd oder ins Leere verebbend – einer Versuchskonstellation gleichend, metaphorisch für die in den vertonten Texten ausgesprochenen, in der Regel vergeblichen Wünsche.
Tickets UMS’nJIP Weekend
02. & 03.10: Einlass 19:30 Uhr, Beginn 20 Uhr, Ende ca. 21:15 Uhr / 04.10.: Einlass 16:30 Uhr, Beginn 17 Uhr, Ende ca. 18:15 Uhr
Bitte buch dein Ticket über das Vorverkaufs-System.
Für Reservierungswünsche an der Abendkasse schreib uns bitte eine Mail an follow@rabbithole-theater.de
Gäste, die ihr Ticket im Vorverkauf erworben haben, erhalten bevorzugte Platzwahl.
Zur Startseite: www.rabbithole-theater.de