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Blaues Rauschen Festival 2026


Blaues Rauschen Festival 2026
im Rabbit Hole am:
Freitag, 05. Juni, 20 Uhr

Anomalien des Hörens
20:00 SunJeong Hwang / 20:45 Stephanie Castonguay (Neue Musik Zentrale) / 21:30 NKISI
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Mit SunJeong Hwang, Stephanie Castonguay und NKISI verschiebt dieser Abend den Fokus vom Werk auf den Prozess. Statt als fertiges Produkt erscheint Klang hier als Bewegung zwischen Material, Technologie und Erinnerung – fragil, durchlässig, offen. Elektronische Medien werden nicht als abstrakte Oberfläche behandelt, sondern in ihrer stofflichen und ökologischen Bedingtheit freigelegt. Zerfallende Tonträger, gehackte Apparaturen, hybride Interfaces und Archive aus Field Recordings machen hör und sichtbar, dass jede digitale Praxis auf konkreten Ressourcen, Entscheidungen und Machtverhältnissen beruht. Technik wird dabei nicht neutral gedacht, sondern als Träger von Geschichte, Auswahl und Ausschluss.

Gleichzeitig wird das Konzert selbst zur Versuchsanordnung. Gemeinsames Hören als prozessuales Geschehen im Raum. Artefakte, Störungen und vermeintliche Fehler werden produktiv, als Brüche im System, als Hinweise auf das, was sonst überdeckt bleibt. Zwischen Noise, polyrhythmischen Strukturen, improvisatorischer Offenheit und sensibler Signalverarbeitung entsteht ein dichtes Geflecht, das sich im Moment formt und gleich wieder entzieht. Ein Abend über die Materialität elektronischer Klänge, über das Archiv als umkämpften Speicher und über das Hören als bewusste Praxis in einer technologisch geprägten Gegenwart, getragen von zwei benachbarten Spielorten, die seit Jahren mit eigenständigen anspruchsvollen Programmen das Musikgeschehen in Essen prägen.

SunJeong Hwang
Somatocene: Telluric Flesh

Gemeinsames Hören im Konzert als intendiert prosozialer Akt – eine dynamische Ausrichtung von Geist und Körper im Zeitverlauf. Hier teilen wir unter anderem auch die Bezugnahme auf uns Selbst und die Welt um uns herum. „Somatocene: Telluric Flesh“ ist eine forschungsbasierte Soundperformance, die aus somatischen Bewegungs- und Hörpraktiken hervorgeht und den Körper als primären Ort von Wahrnehmung, Rhythmus und Verhandlung begreift. In leiser, konzentrierter Form entfaltet SunJeong Hwang ein Spannungsfeld zwischen analogem, elektrischem und digitalem Klang. Den speist sie mit Field Recordings, analogen Klangquellen und responsiver Signalverarbeitung. Und die Performance ist explizit konzipiert mit dem BLAUES RAUSCHEN Festival als Performanceort. Statt Klang zu kontrollieren, wird ihm vom Publikum und Künstlerin zugehört: Bewegung, Material und Umgebung treten in einen kontinuierlichen Dialog, in dem sich eine intime Klanglichkeit ausbildet – aufmerksam, tastend, gegenwärtig.

Stephanie Castonguay
soft_cuts

Elektronische Medien erscheinen oft immateriell. Tatsächlich bestehen sie aus Ressourcen, Oberflächen und mechanischen Prozessen. Genau in diesem Spannungsfeld arbeitet Stephanie Castonguay. Für „soft_cuts“ entwickelt sie ein ungewöhnliches Setup aus gehackten Plattenspielern, die mit Playmobil Elementen erweitert und mit zusätzlichen Tonarmen ausgestattet sind. Darauf laufen fragile Bio Vinyls, deren Material langsam zerfällt und in Stücke bricht. Die Platten werden nicht einfach abgespielt, sondern tastend durchlaufen. Laufrichtungen wechseln, Fragmente verschieben sich, die Haltbarkeit der Materialien bleibt ungewiss. Aus diesem Prozess entsteht ein Geflecht aus ungeraden Rhythmen, mechanischen Schleifen und improvisierten Strukturen. Gleichzeitig wird der Apparat selbst sichtbar. Reflektierende Oberflächen, rotierende Arme und bewegte Fragmente erzeugen auf speziellen Screens eine visuelle Partitur mechanischer Bewegung.

NKISI
Anomaly Index

Kann die Aufnahme von Sound je neutral sein oder ist sie stets durch Vorauswahl, technische Beschränkung oder Rassismus korrumpiert? Diese grundsätzliche Frage stellt NKISI auf ihrer (be)rauschenden Kassette „Anomaly Index“, die sie Ende 2025 auf dem ugandischen Label Nyege Nyege Tapes veröffentlicht hat. Das Tape ist dabei lediglich Ausgangspunkt für eine Serie von Live-Kompositionen, die auf einem eigens angelegten Soundarchiv basieren. Für das Festival BLAUES RAUSCHEN experimentiert sie mit diesem Archiv und begibt sich auf eine Suche nach „paranormalen Audios und psychoakustischen Aufnahmen“. Artefakte, Aufnahmefehler, aber auch polyrhythmische Drumsynthesen und Live-Mikrofonierung lassen einen dichten Nebel aus Noise entstehen.

Blaues Rauschen Festival 2026
Tag 5: Anomalien des Hörens
Einlass 19:30 Uhr, Beginn 20 Uhr, Ende ca. 22 Uhr.

Tickets: Tickets Blaues Rauschen Festival 2026
Festival-Webseite: Blaues Rauschen Festival 2026


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